top of page

Über die vorübergehende Gewichtsabnahme des Geldbeutels

vor 10 Stunden
2 Min. Lesezeit

Entlastung ist zunächst ein erfreulicher Vorgang. Man nimmt etwas herunter, was vorher drauflag. Beim Dach Schnee, beim Rücken einen Rucksack, beim Steuerzahler gelegentlich einen Teil dessen, was man ihm zuvor mit durchaus überzeugender Begründung aufgepackt hat. Letzteres nennt sich dann nicht Korrektur, sondern Maßnahme. Maßnahmen haben den Vorteil, dass man sie öffentlich vorstellen kann. Eine Korrektur müsste man erklären.


Seit heute werden wir also beim Tanken entlastet. Rechnerisch um 16,7 Cent je Liter. Die Nachkommastelle beruhigt ungemein. Sie vermittelt den Eindruck, jemand habe die Sache bis zum Ende durchdacht und sei dabei sogar an der Zapfsäule vorbeigekommen.

Nun ist eine Steuersenkung zunächst eine Steuersenkung. Dass daraus ein entsprechend niedrigerer Verkaufspreis wird, ist der nächste gedankliche Schritt. Zwischen beiden liegt allerdings der Markt. Ein bemerkenswertes Gebilde, dem wir einerseits höchste Leistungsfähigkeit zuschreiben und andererseits täglich gut zureden müssen, damit es tut, was wir gerade von ihm erwarten.


Man stelle sich vor, ein Handwerker bekäme das Material günstiger und der Auftraggeber hielte deshalb bereits eine entsprechend gekürzte Rechnung in der Hand. Der Handwerker würde vermutlich auf die Komplexität seiner Kalkulation verweisen. Völlig zu Recht. Kalkulationen sind besonders dann komplex, wenn jemand anders weniger bezahlen möchte.


Aber lassen wir das Misstrauen. Rechnen wir.

Bei fünfzig Litern ergeben 16,7 Cent eine mögliche Ersparnis von acht Euro fünfunddreißig. Das ist Geld. Wer jeden Tag zur Arbeit fahren muss, braucht sich von niemandem erklären zu lassen, dass dieser Betrag volkswirtschaftlich nicht besonders aufregend sei. An der Kasse wird schließlich auch keine Volkswirtschaft bezahlt, sondern die eigene Tankfüllung.

Schwierig wird es erst, wenn aus der Ersparnis ein Erfolgserlebnis entsteht, das den Verstand vorübergehend außer Betrieb nimmt. Der Mensch besitzt die erstaunliche Fähigkeit, beim Wort „Rabatt“ zunächst den Gewinn zu erkennen und erst mit erheblicher Verzögerung die Ausgabe. Autor eingeschlossen. Man hat ja nicht für einen beträchtlichen Betrag getankt. Man hat acht Euro fünfunddreißig gespart. Dass hierfür vorher fünfzig Liter Kraftstoff erworben werden mussten, tritt angenehm in den Hintergrund.

Wer hundert Liter kauft, spart sogar doppelt so viel.


Sie erkennen das Entwicklungspotenzial.


Die Entlastung gilt bis Jahresende. Auch das hat etwas Tröstliches: Wenigstens weiß der Bürger, wann die Erleichterung endet. Bei der Belastung ist man hinsichtlich der Laufzeit meist großzügiger.


Vielleicht sollten wir uns deshalb einfach über den geringeren Betrag freuen, sofern er auf der Rechnung steht, und die Begeisterung nicht gleich mit volltanken. Es ist keineswegs undankbar, eine Hilfe anzunehmen und trotzdem nach ihrer Wirkung zu fragen. Als Sachverständiger würde man eine Sanierung schließlich auch nicht allein deshalb abnehmen, weil das Gerüst so festlich geschmückt ist.

Ich jedenfalls halte acht Euro fünfunddreißig für einen durchaus brauchbaren Betrag.

Ich würde nur ungern neun Euro verfahren, um ihn zu finden.

 
 
 

Kommentare


bottom of page